RDS-Decoder für Computer (2011)


Fast alle Radiosender in Deutschland übertragen den Sendernamen und weitere Informationen, z.B. Verkehrsmeldungen über RDS. Hierbei handelt es sich um ein Datensignal, das zusätzlich zum Ton gesendet wird. Alle modernen Autoradios zeigen so den Sendernamen im Display an.
Interessant ist RDS bei Sporadic-E, also wetterbedingten Fernempfängen. Bei Sporadic-E werden Signale aus etwa 1000-2000 Kilometer Entfernung hörbar, jedoch meistens nur für kurze Zeit und mit stark schwankendem Signal. Um herauszufinden, welchen Sender man gehört hat, und von wo er sendet, bietet sich eine Auswertung des RDS-Signals an. Im besten Fall wird der komplette Sendername (PS) decodiert und man braucht nur nachschauen, von wo er auf der eingestellten Frequenz sendet. Ist das Signal allerdings schwach, reicht es meistens nicht für den kompletten PS. Hier hilft der PI-Code weiter, der bei schwachem Signal i.d.R. lange vor dem PS decodiert wird. Er ermöglicht eine weltweit eindeutige Identifizierung jedes Senders.

Beispiel: Auf 89,0 MHz ist kurz ein Sender mit Popmusik zu hören. Als PI-Code wird "E230" decodiert. Die Suche auf www.fmlist.org zeigt, dass dieser Code M80 Radio aus Spanien zuzuordnen ist. Tatsächlich sendet M80 aus Madrid auf 89,0 MHz mit 50 kW Sendeleistung. Entfernung: etwa 1500 km.

Um die RDS-Daten zu decodieren, gibt es mehrere Möglichkeiten. Entweder verwendet man direkt ein RDS-fähiges Radio, oder man erweitert ein normales Radio mit einem RDS-Decoder. Der Conrad RDS-Manager ist ein solches Gerät, das an den Lineausgang eines Radios angeschossen werden kann. Beide Möglichkeiten sind bei den o.g. Fernempfängen nachteilig. Meistens dauert die Decodierung zu lange und der PI-Code kann nicht angezeigt werden. Die Lösung sieht folgendermaßen aus:

RDS SPY decoder
Von links nach rechts: Radio, RDS-Manager, Computer

An den Widerständen R4 und R6 im RDS-Manager können CLOCK- und DATA-Signal entnommen werden. Diese werden dem Audioeingang des Computers zugeführt. Die Software RDS Spy decodiert das RDS-Signal dann.



In beide Signalleitungen sollte ein Kondensator oder Widerstand geschaltet werden. Die Bauteilwerte und Pinbelegungen sind in der Anleitung für RDS Spy zu finden. Hier ist die zusätzlich eingebaute Klinkenbuchse zu sehen, welche direkt mit dem Computer verbunden wird:



Das Signal am Audioeingang sieht dann etwa so aus:



Hier die Software RDS Spy (http://www.rdsspy.com):

RDS Spy



Die Decodierung durch RDS Spy ist immer deutlich schneller als der RDS-Manager, was bei den o.g. Sporadic-E Empfängen von großem Vorteil ist. Das Programm verfügt auch über einen sog. "Super PI Detector", der den PI-Code bei sehr schwachen Signalen erkennt. Der RDS-Manager zeigt hier stets "NO RDS" an.