Was ist ein Röhrenradio?


Ein Röhrenradio ist ein Radio, bei dem alle Verstärkungen des empfangenen Signals durch Elektronenröhren realisiert sind.

röhrenradio gavotte telefunken
Röhrenradio von 1955

Röhrenradios wurden von ca. 1925 bis 1970 gebaut, wobei es die unterschiedlichsten Bauformen gab. Alle haben gemeinsam, dass eine oder mehrere Elektronenröhren zur Funktion notwendig sind. Kleine Geräte können mit einer einzigen Röhre auskommen, während Spitzengeräte der 50er Jahre auch über 10 Röhren haben können.



Die Röhre ist der Vorgänger des Transistors, der ihr deutlich überlegen ist, was Größe, Energieeffizienz und mechanische Empfindlichkeit betrifft. Trotzdem sind Röhrenradios faszinierend, wegen ihres warmen Klangs, der großen lichtdurchfluteten Skala und des zeitlosen Designs. Sie sind im Zimmer immer ein Blickfang. Wenn ein Röhrenradio fachgerecht restauriert ist, spielt es noch etliche Jahre.

Auf meiner Website finden Sie Informationen zur ersten Inbetriebnahme eines Röhrenradios und technische Informationen zur Restauration und Reparatur. Außerdem können Sie sich meine Röhrenradios anschauen - einige Geräte werden auch in Videos gezeigt.

Chronik der Röhrenradios

Die ersten Röhrenradios kamen in den 1920er Jahren auf, anfangs nur für Kopfhörerempfang. Radios wurden nur von einer Handvoll Hersteller angeboten, Selbstbauen war oftmals günstiger. Auch gab es erst wenige Radiosender. Ab den späten 20er Jahren wurde von Batteriebetrieb auf Stromnetzbetrieb umgestellt. Hier sehen Sie einen Eigenbau-Radio aus der Anfangszeit des Radios:


Röhrenradio aus den 1920ern


Die 30er Jahre machten mit dem Volksempfänger das Radio zum Massenmedium. Der Volksempfänger diente als nationalsozialistisches Propagandainstrument, er war mit 76 RM recht günstig und konnte somit viele Familien erreichen. Eine noch günstigere Version wurde ab 1938 als "Deutscher Kleinempfänger" angeboten.
Die Gehäuseform wechselte in den 30ern vom Hochformat ("Tombstone") zum Querformat, bei dem Skala und Lautsprecher nebeneinander und nicht übereinander angeordnet sind. Auch gab es technische Innovationen: der Superhet brachte einen deutlich besseren Empfang als frühere Systeme.



"Katzenkopf" Telefunken 340W von 1931


Belgisches Röhrenradio von 1936

In den 1940er Jahren gab es wegen des Zweiten Weltkriegs kaum große Fortschritte. Viele Radiobastler bauten sich ihre eigenen Radios aus alten Teilen, oft mit abenteuerlichen Konstruktionen, z.B. Glühlampe als Widerstand. 1949 wurde der erste UKW-Sender in München in Betrieb genommen. Damit begann der Siegeszug von UKW, das deutlich bessere Klangqualität als Mittel-, Lang- und Kurzwelle zu bieten hatte.


Siemens 447U von ca. 1947

Die 50er Jahre waren die Blütezeit der Röhrenradios. Man legte großen Wert auf ein ansprechendes Design lockte die Kunden mit technischen Besonderheiten wie Motorsuchlauf, Fernbedienung und Raumklang. Geräte ohne das neu eingeführte UKW wurden schnell unverkäuflich.
In den 50er Jahren wurde von Stahlröhren auf Rimlock- und schließlich auf Novalsockel-Röhren umgestellt, außerdem wurden ab ca. 1957 gedruckte Schaltungen eingesetzt. Ab 1958 wurden Geräte mit Stereowiedergabe angeboten, zunächst nur für Schallplattenbetrieb, Stereorundfunk gab es noch nicht. Ein "Magisches Auge" war in fast jedem Gerät zu finden, zu Beginn der 50er noch in runder Ausführung, dann als magische Fächer, und in den späten 50ern dominierten die magischen Bänder.


Schaub Goldina 58 Typ 3004, 1958


Tefi D113 - Musiktruhe mit Tefifon

Die 1960er Jahre waren das Ende der Röhrenära, Transistorradios kamen in Mode. Gerade tragbare Röhrenradios waren unpraktisch, da sie sehr große Akkus erfordeten, die schnell leer waren. Trotz der aufkommenden Transistoren wurden bis in die späten 60er hinein Röhrenradios gebaut, am Ende auch Hybridgeräte, die Röhren und Transistoren enthielten. Viele Gehäuse der 60er waren flach und rechteckig, immer öfter verbaute man Kunststoffteile. Der Lautsprecherstoff wurde von Kunststoff- oder Holzgittern abgelöst. Bahnbrechende technische Neuerungen gab es in den 60ern nicht mehr, da das Ende des Röhren-Zeitalters ja schon abzusehen war. 1963 wurde der Stereorundfunk eingeführt.


Loewe-Opta Bella Modern, 1964


Stereo-Radio von Grundig, 1966